Paar Worte zur Effizienz der Privatwirtschaft

…am Beispiel der Corona-Testung.

Traditionell neige ich dazu, Privatunternehmertum zu befürworten – schließlich bin ich ja selber Privatunternehmer. Es gibt so Leute, die schwören darauf und bestehen außerdem darauf, dass es keine Beschränkungen oder Kontrollen desselben geben sollte. Dieser Art Personen gibt es besonders viel in den USA, in dem Land wo meine Frau herkommt (das kennen wir).

Die Argumente von diesem Lager bestehen meistens aus – zum Teil sehr berechtigten – Behauptungen, Privatwirtschaft sei so viel effizienter, weil jeder für sein Geld Leistung bringen müsse. Oder es gäbe eben kein Geld – „kein Fleiß, kein Preis“.

Lassen Sie mich drei Beispiele anführen, wo ich jeweils die Schlussfolgerungen Ihnen überlasse: Die deutsche Bundesregierung wollte – sicherlich mit besten Absichten – mit der Realisierung der Corona-Testung die Privatwirtschaft fördern, schließlich zahlen sie auch Steuern. Mittlerweile sind sogar die landeseigenen Testzentren geschlossen. Vergangenen Dezember gehe ich zu einem nahegelegenen Testzentrum, um einen Schnelltest zu holen. Der freundliche, scheinbar gelangweilte Mitarbeiter zeigt mir den Tupfer, berührt damit gerade noch ein Nasenloch (oberflächlich) und verspricht, das offizielle, zum Beiwohnen einer Veranstaltung berechtigende Testergebnis sei in wenigen Minuten in meiner E-Mail. Ist es auch, selbstverständlich negativ. (Zu dem Zeitpunkt wäre ich auch selbst davon ausgegangen). Ich frage mich nur spontan, ob der Mitarbeiter jemals von jemandem dazu angeleitet wurde, wie man einen Nasenabstrich durchführt.

Kürzlich bekomme ich Erkältungssymptome, teste mich zu Hause mit zwei Schnelltests verschiedener Hersteller. Beide sofort positiv. Okay, Planung des Wochenprogramms umgestellt.

Ich begebe mich zur offiziellen (privaten) Teststelle, wo die Internetseite verspricht, gegebenenfalls sei ein bestätigender PCR-Test möglich. Die Mitarbeiterin ist scheinbar gelangweilt. Zeigt mir gerade den Tupfer, berührt oberflächlich ein Nasenloch damit, während sie auf ihr Handy guckt. Auf meine Frage nach dem anschließenden PCR-Test bekomme ich eine Antwort: „davon weiß ich nix, müssen das nur Gesundheitsamt [ans Gesundheitsamt melden, nehme ich an]“. Ich frage mich, ob die Mitarbeiterin jemals von jemandem dazu angeleitet wurde, wie man einen Nasenabstrich durchführt.

Ja, das positive Testergebnis kommt in meine E-Mail nach einer Viertelstunde. Eigentlich zu meiner Überraschung. Ich google nach einer PCR-Nachtestung nach einem zertifizierten Schnelltest, und werde fündig, einen Kilometer weiter vom jetzigen Standort. Ich buche einen Termin und laufe wieder dahin (ÖPV ist ja keine Option für Infizierte, keinem Taxifahrer will ich es antun)

Das Testzentrum hat geschlossen („wir haben gerade technische Probleme, wir sind vorübergehend geschlossen“) (Terminbuchung lief super!)

Ich laufe zur nächstliegenden Apotheke, frage durch die Notschalter ob sie Bescheid wüssten, und bekomme (freundlicherweise) die nächste Adresse. Dort buche ich wieder einen Termin und lade noch mein Testzertifikat beim Server der Firma hoch, um die Berechtigung zum PCR-test vorab nachzuweisen (wäre ja nett wenn’s flott geht, weil voraus gedacht)

Drei Stunden später laufe ich zum neuen Testzentrum (diesmal beträgt die Strecke zwei Kilometer). Die Firma hat großzügige Räume an einem Kaufzentrum gemietet (ein Drittel scheint im aktiven Gebrauch zu sein). Die Empfangsmitarbeiterin konstatiert lapidar zu meinem Hinweis auf das hochgeladene Schnelltezertifikat: „dafür habe ich hier überhaupt keinen Zugriff. Sie müssen zuerst bei uns einen Schnelltest machen, und falls positiv, können Sie dann einen PCR-Test bei uns machen“.

Gesagt, getan. Die Bundesregierung zahlt wieder. 15 Minuten später bekomme ich in meine E-Mail das positive Testergebnis und kann endlich einen PCR-Test machen lassen. Als ich die zwei Kilometer zurück nach Hause laufe, habe ich zwei Sachen im Kopf: erstens: wie gut, dass ich die drei Impfungen hinter mir habe und damit einen milden Verlauf (das Laufen geht tatsächlich) und zweitens: wie könnte man die Steuergelder von dieser Abzocke schützen?!